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Theodor Wulf Pater S.J.
1868 – 1946 |
Er
war Jesuit und über viele Jahre für die Verwaltung der niederdeutschen
Provinz seines Ordens zuständig. In der Geschichte der Physik hat er seinen Platz
als Erfinder eines Zweifaden-Elektrometers, mit Instrumenten zur
Radioaktivitätsmessung, sowie mit Beiträgen die für die Entdeckung der
extraterrestrischen Strahlung von Bedeutung waren. Kaum weniger bedeutend
sind die von ihm für den physikalischen Schulunterricht entwickelten
Experimente. Besonders nachhaltig wirkte hier seine Erfindung eines
Universalelektroskops. |
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Theodor Bernhard Wulf wurde am 28.
Juli 1868 in Hamm/Westfalen geboren. Seine Eltern waren der Wiegemeister Carl
Wulf und dessen Ehefrau Anna, geborene Wenker. Ab Ostern 1884 besuchte er das
Knabenseminar am Gymnasium Theodorianum in Paderborn. An dieser humanistisch
ausgerichteten Lehranstalt wurden, zur Vorbereitung auf das Priesteramt, auch
theologische Weltanschauungen vermittelt. Aus dieser Tatsache lässt sich wohl
ableiten, dass Wulf schon früh seine Lebensplanung auf die katholische Kirche
ausrichtete. Gleich
nach dem Abitur trat er am 8. April 1888 in Blijenbeek der Gesellschaft Jesu
bei. Während des folgenden Noviziats studierte er in Wijnandsrade Humanistik
und Rhetorik; von 1890 bis 1893 Philosophie in Exaten. Seine Probezeit
(Interstitium) absolvierte er in Feldkirch. Von 1897 bis 1901 studierte er
Theologie am Ignatius-Kolleg, der Ordenshochschule der deutschen Jesuiten in
Valkenburg (Limburg-Niederl.). Ende August 1900 erfolgte die Priesterweihe.
Von 1904 bis 1914 lehrte er am Ignatius-Kolleg Physik und von 1918-1935
Physik und Naturphilosophie. Während des 1. Weltkrieges musste er seine
Lehrtätigkeit ruhen lassen, weil er als Pfarrer und Sanitäter am
Frankreichfeldzug teilnahm. Für sein seelsorgerisches Engagement wurde er mit
dem Eisernen Kreuz I. Klasse
ausgezeichnet. 1935
übernahm Theodor Wulf die Verwaltung der Valkenburger Jesuitenresidenz
(Hausminister). Schon ein Jahr später wurde er als Stellvertreter des
Provinzials der niederdeutschen Provinz nach Köln berufen. 1938 übertrug man
ihm die Position des Provinzials. Aus den Reihen der Jesuiten heißt es, er
habe unter schwierigen Gegebenheiten – nationalsozialistisches Regime,
Zweiter Weltkrieg – herausragende Verwaltungs- und Organisationsfähigkeiten
bewiesen. Machtlos musste Wulf hinnehmen, wie von den nationalsozialistischen
Machthabern acht Jesuitenresidenzen seines Zuständigkeitsbereiches
geschlossen wurden. |
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1942
legte Theodor Wulf das Amt des Provinzials nieder. Im Juni 1943 zog er sich
in das Josephs-Hospital in Hallenberg im Sauerland zurück. Hier wirkte er als
Krankenhausseelsorger, bis im Herbst 1944 gravierende gesundheitliche
Probleme auftraten. Nach einjähriger, dauerhafter Bettlägerigkeit ist Theodor
Wulf am 14. Juni 1946 gestorben. Seine letzte Ruhestätte fand er in Büren. |
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Bereits
am Gymnasium in Paderborn hatte Wulf mit einer
mathematisch-naturwissenschaftlichen Begabung auf sich aufmerksam gemacht.
Auch unter den Jesuiten erkannte man diese Begabung und ermöglichte Theodor
Wulf ein entsprechendes Studium. So konnte er ab 1894 an der Universität von
Innsbruck in den Fächern Mathematik, Physik, Meteorologie und Astronomie
studieren. Am 9. November 1897 schloss er das Studium mit der Lehramtsprüfung
in Mathematik und Physik ab. Ein zweites Hochschulstudium absolvierte er von
1901 bis 1904 in Göttingen. Als
sich Wulf in Göttingen mit der lichtelektrischen Photometrie befasste, wurden
ihm Unzulänglichkeiten in der Messtechnik bewusst. Man verwendete Quadranten-
und Blättchenelektrometer. Deren erforderliche vorherige Justierung nahm viel
Zeit in Anspruch. Während einer laufenden Messwerteaufnahme waren jegliche
Berührungen und andere Störeinflüsse auf die Instrumente zu vermeiden. Wulf
hatte dann die Idee, zwei an den Enden miteinander verklebte
Metallfäden für die Ladungsanzeige zu verwenden: Bei Erteilung einer
elektrischen Ladung bauchen sie sich infolge der Abstoßung aus. Ein kleines
Gewicht am unteren Ende des Fadenpaares sollte die Fäden parallel zueinander
halten, sodass leichte Neigungen und Erschütterungen nach der Überlegung
Wulfs nicht mehr ins Gewicht fallen dürften. 1906 gab Theodor Wulf den Bau
eines Zweifaden-Elektrometers bei der Firma Günther
& Tegetmeyer in Braunschweig in Auftrag. Um die
Pendelbewegung der Elektrometerfäden zu begrenzen, fixierte man dort das
untere Ende des Doppelfadens an einer elastischen Quarzschlinge. Ihre
mechanische Spannung lieferte nun die Gegenkraft zu den elektrostatischen
Abstoßungskräften zwischen dem Fadenpaar. Wie sich zeigte, wurden Wulfs Erwartungen an
die Funktionalität des Instruments noch weit übertroffen: Man konnte es ohne
Schutzvorkehrungen für die Elektrometerfäden transportieren, es war sofort
einsetzbar, es funktionierte auch bei einer Schrägaufstellung zuverlässig, es
hatte einen großen Messbereich und reagierte auf kleinste Ladungsmengen.
Kurz, das Elektrometer war von einzigartiger Qualität. In einer Art logischer
Schlussfolgerung übertrug Wulf darauf die elastische Fadenfixierung auch auf
Elektrometer mit nur einem Faden. Überall dort, wo Elektrometer zur Messung
kleinster elektrischer Ströme eingesetzt wurden (lichtelektrische
Photometrie, atmosphärische Elektrizität, Radioaktivität) gehörten Wulfsche
Elektrometer bald zum Standard. Ideenreich lieferte auch Wulf selbst
zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und Zusatzgeräte für seine Fadenelektrometer. |
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Zweifaden-Elektrometer Einfaden-Elektrometer |
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Nicht
zuletzt durch die Wulfschen Elektrometer in Verbindung mit
Strahlungsmessinstrumenten gelang es, Beziehungen zwischen der luftionisierenden Strahlung der Radioaktivität,
dem Vorkommen von Radionukliden in der atmosphärischen Luft und der
atmosphärischen Elektrizität zu belegen. Eine in dem Zusammenhang gefundene,
sich der Gammastrahlung an Durchdringungsfähigkeit noch weit überlegen
präsentierende Strahlung und dessen unerklärliche Quelle, ließen Spekulationen
über einen kosmischen Ursprung aufkommen. Wulf
interessierte die Sache sehr. Er entwickelte ein spezielles
Gammastrahlen-Elektrometer mit dem bewährten Zweifadensystem und sammelte
damit Messdaten auf unterschiedlichen Höhenniveaus. Berühmt geworden sind
seine damit in Verbindung stehenden Messungen auf dem Eifelturm, im Jahre
1910. Es blieb dann aber anderen Wissenschaftlern (Hess, Kolhörster)
vorbehalten, den extraterrestrischen Ursprung der Strahlung nachzuweisen. |
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Strahlungsapparat Gammastrahlen-Elektrometer Universalelektroskop . |
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1925
stellte Wulf den beiden Fadenelektrometern und dem Gammastrahlen-Elektrometer
ein speziell für den Schulunterricht konzipiertes Universalelektroskop hinzu.
Es war ein Mittelding zwischen einem Blättchenelektroskop und einem
Einfadenelektrometer: Ein sehr schmales Aluminiumblättchen ist an seinem
oberen Ende an einem Metallstab befestigt, an seinem unteren Ende von einem
Quarzbügel elastisch an dem Metallstab gehalten. Wird das System geladen,
stößt sich das Blättchen gegen die Haltespannung des Quarzbügels von dem
Metallstab ab. Bei Erreichen einer durch Abstandswahl regulierbaren Ladung
stößt das Blättchen gegen eine geerdete Kontaktfläche und entlädt sich. Der
Quarzbügel zieht das Blättchen wieder an den Metallstab heran. Die
Fadenreaktion erfolgt so schnell, dass sich beispielsweise durch das Zählen
der Lade-/Entladeabfolgen unmittelbar Ladungsmengen bestimmen lassen. Eine
Option, die erst dieses Wulfsche Universalelektroskop in der Einfachheit bot.
Um die Elektroskopreaktionen einem größeren Beobachterkreis zugänglich zu
machen, ließ sich leicht ein Schattenbild des elastisch gehaltenen Blättchens
projizieren. rf
(Juli 2010) |
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schreiben Sie bitte an: Rudolf Fricke |
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