Rudolf G. A. Fricke

Kurzbiografien

    Albert Schelz - Schriftsetzer, Kommunalpolitiker
   Eugen Sierke - Kulturhistoriker, Chefredakteur beim Braunschweiger Tageblatt und der Braunschweigischen Landeszeitung

Fragen oder Hinweise bitte an Rudolf Fricke richten.

 

Georg Wilhelm Traugott Albert Schelz (1875 – 1949)
war Bürgermeister, Landtagsabgeordneter, Minister in der braunschweigischen Landesregierung und Kreisdirektor.
In Wolfenbüttel wurde er als erster sozialdemokratischer Abgeordneter in die Stadtverordnetenversammlung gewählt.
Über sich selbst sagte er, dass er „ein freudiger Bekenner des demokratischen Staatsgebildes“ sei. So gehörte die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu seinen essentiellen politischen Zielen. Vom Arbeiterstand forderte er, durch Selbstdisziplin und Schulung zur Stütze eines demokratischen Staates zu werden.

Albert Schelz wurde am 14. Februar 1875 in Hannover geboren. Er befand sich noch im Säuglingsalter, als sein Vater als Gefängnisaufseher an die Strafanstalt von Wolfenbüttel versetzt wurde. Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte er eine Schriftsetzerlehre. Nach Jahren der Wanderschaft, kehrte Schelz 1907 wieder nach Wolfenbüttel zurück und begann, sich politisch zu engagieren.

Er trat der SPD bei und übernahm bereits wenige Wochen später die Berichterstattung für den „Volksfreund“. Nur ein halbes Jahr nach seinem Eintritt in die SPD wählte man ihn zum Vorsitzenden des Wolfenbütteler Ortsvereins, dessen Mitglieder heillos untereinander zerstritten waren. Schelz gelang es, die Lager der Ortsgruppe zusammenzuführen und die politische Arbeit der Mitglieder auf gemeinsame Ziele zur konzentrierten. Einen besonderen Erfolg seiner Arbeit brachte die Stadtverordnetenwahlen am 7.10.1909. Albert Schelz wurde als erster Sozialdemokrat überhaupt, in das Wolfenbütteler Stadtparlament gewählt.

Der erste Weltkrieg, in dem auch Albert Schelz als Soldat verpflichtet wurde, unterbrach die politischen Aktivitäten des Wolfenbütteler Schriftsetzers. Er trat aber nach Kriegsende sofort wieder politisch in Erscheinung. Im Wolfenbütteler Arbeiter- und Soldatenrat gehörte er zu den Personen, die mit Besonnenheit die Neustrukturierung in der Stadt betrieben. Am 22. Dezember 1918 zog er zudem für die MSPD als Volksbeauftragter auch in den Braunschweiger Landtag ein. 1919 berief ihn hier Dr. Heinrich Jasper zum Minister für Volksbildung, ein Amt das Schelz mit der ihm eigenen Gründlichkeit bis in das Jahr 1924 ausfüllte.

Zwischendrin folgte ein Schritt in der politischen Laufbahn von Albert Schelz, den er nur sehr widerwillig und nach starkem Druck aus den Reihen seiner Parteifreunde ging. Er trat im September 1919 in Schöningen bei den Wahlen zum Bürgermeister als Kandidat der MSPD an. Ministerpräsident Jasper und Innenminister Gustav Steinbrecher hatten mit seiner Kandidatur die Wahl des als revolutionärem Querkopf gefürchteten Sepp Oerter von der USPD verhindern wollen. Die Rechnung ging auf. Unterstütz vom bürgerlichen Lager wurde Schelz zum Bürgermeister gewählt.

Wiederum auf Betreiben von Dr. Jasper wurde Albert Schelz im Mai 1928 Kreisdirektor von Holzminden. Es hatte zunächst seitens der konservativen Bürgerschaft Vorbehalte gegen den Sozialdemokraten gegeben. Nachdem man jedoch erkannte, dass er Verwaltungsgeschick besaß und er auch persönlich zu überzeugen vermochte, amtierte Schelz mit breiter Unterstützung des Kreistages.

Anfang der Dreißigerjahre wurde Schelz von der in Braunschweig bereits sehr früh etablierten nationalsozialistischen Regierung aus dem Amt getrieben. Nach Kriegsende machten ihn die Alliierten zum kommissarischen Landrat für den Landkreis Holzminden.

Albert Schelz ist am 22.April 1949 im Alter von 74 Jahren in Holzminden gestorben.

 

Eugen Sierke (1845 – 1925)
war ein anerkannter Kulturhistoriker, hat sich als Zeitungsredakteur um die Entwicklung des Pressewesens verdient gemacht und hat sich in Braunschweig in kommunalen Angelegenheiten engagiert.

Eugen Sierke wurde am 2. September 1845 in der ostpreußischen Stadt Saalfeld geboren. Er besuchte in Königsberg und Rastenburg das Gymnasium und studierte nach dem Abitur in Leipzig klassische Altphilologie. 1869 promovierte er und wandte sich dem Journalismus zu.

In seiner ersten beruflichen Station schrieb er für die Hartungsche Zeitung Theater- und Literaturkritiken. Danach wechselte er zur Berliner Tägliche Rundschau. Nach einer sich anschließenden knapp einjährigen Redakteurstätigkeit in Hannover, kam Sierke 1874 nach Braunschweig. Er übernahm beim Braunschweiger Tageblatt die Aufgabe des Chefredakteurs.

1895 gab Sierke die Stellung auf. Als das Tageblatt dann 1897 in der Braunschweigischen Landeszeitung aufging, holte man Sierke in den Redaktionsstab zurück. Man übertrug ihm die Verantwortung für den Tagesteil. Bald darauf war er auch bei der Braunschweigischen Landeszeitung deren Chefredakteur.

Über die gesamte Zeitspanne seiner Redakteurstätigkeit blieb Eugen Sierke als Kulturhistoriker aktiv. Viel beachtet waren beispielsweise seine 1881 erscheinenden „losen Studienblätter über das moderne Theater.“

Die Unabhängigkeit der Presse und die Wahrung von Persönlichkeitsrechten gehörten für Eugen Sierke zu den Grundwerten der journalistischen Arbeit. Für diese Grundwerte setzte er sich unter anderem im Reichsverband der Deutschen Presse sowie als Vorsitzender in der niedersächsischen und der braunschweigischen Untergliederung des Berufsverbandes ein.

Sierkes Anspruch der politischen Unabhängigkeit der Presse dokumentiert sich in zahlreichen seiner Artikel. Kritisch beurteilte er Vorhaben und Entscheidungen von Reichs- und Landesregierung. Kuragiert forderte er gegen Ende des ersten Weltkrieges die Einführung eines gleichen und geheimen Wahlrechts im Herzogtum Braunschweig.

Sein journalistischer Mut trug Eugen Sierke verschiedentlich Probleme ein. So musste er sich mehrfach juristisch gegen Verleumdungen von Pressekollegen zur Wehr setzen. Auf einen von ihm verfassten Artikel reagierte eine oldenburgische Prinzessin mit einer Beleidigungsklage und er musste für drei Monate im Gefängnis einsitzen.

In Braunschweig war Eugen Sierke insbesondere wegen seines kommunalen Engagements bekannt. Er gehörte unter anderem dem Verein für Volksgesundheit an. Beherzt und ausdauernd setzte er sich für die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in der Stadt ein. Dabei scheute er sich nicht, Tabuthemen anzusprechen. Unerschrocken forderte er, der um sich greifenden Zunahme von Geschlechtskrankheiten durch öffentliche Aufklärungsmaßnahmen zu begegnen.

Sierke gehörte in Braunschweig auch dem nationalliberalen Wahlverein an und war als Schriftführer im Vorstand aktiv. Einige Daten in seiner Biografie deuten darauf hin, dass er innerhalb der Nationalliberalen zum linken Flügel gehörte.

Im Alter von achtzig Jahren ist Eugen Sierke am 21. November 1925 gestorben. Zu seinem Tode schrieb die Braunschweigische Landeszeitung: „Jahrzehntelang hat er in klarem Wollen und mit zielsicherem Blicke seine hohen Geistesgaben in den Dienst unserer Zeitung ... gestellt.“

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